Enneagramm
Weitergehender als die Astrologie - zum Kern der Psyche hin - führt das Enneagramm; eine Typenlehre des Menschen, die den archetypischen Grundcharakter mit seinen unbewussten und "automatischen" Verhaltensweisen aufdecken kann - der "rote Faden" im Leben wird so sichtbar.

Auf dieser grundlegenden Ebene gibt es nach dieser Theorie nicht mehr so viele individuellen Unterschiede wie an der Oberfläche:
Man unterscheidet 9 Charaktertypen in 3 Hauptgruppen - die Agressionstypen (Typ 8, 9 und 1), die Imagetypen (Typ 2, 3 und 4) sowie die Angsttypen (Typ 5, 6 und 7).
Auf einer noch tieferen Ebene und in der sehr frühen Entwicklung des Kindes entstanden, gibt es - mit den 9 Grundtypen kombiniert - noch die 3 sog. "Subtypen" - selbsterhaltender Subtyp (entspricht astrologisch dem fixen Prinzip), sexueller Subtyp (kardinales Prinzip) und der soziale Subtyp (veränderliches Prinzip).
Die Subtypen entsprechen z.B. ebenfalls den 3 Gunas des Hinduismus (Tamas, Rajah und Sattwa) sowie den 3 grundlegenden Verhaltensformen eines jeden Lebewesens bei Gefahr, Bedrohungen bzw Traumata: Totstellreflex, Kampf und Flucht.
Diese Subtypen treten meistens als unterschiedliche Mischtypen auf, selten in ganz reiner Form.
In diesen Gruppen und Typen zeigen sich charakteristische und zentrale, meistens versteckte Lebensthemen bzw unbewusste Verhaltensmuster.
Diese "Charakterfixierung" deckt auf, womit wir uns zutiefst und meistens völlig unbewusst identifizieren - sie verdeckt und imitiert unser eigentliches Wesen, unsere Essenz oder Seelenqualität.
Sie zeigt nach Eli J.Bear "das, was wir nicht sind" - aber wofür wir uns unbewusst halten. Es ist der tiefliegende blinde Fleck in uns, den wir nicht sehen wollen.
Das Enneagramm beschreibt deshalb den grundlegenden, unbewussten Kern der Psyche (Charakter = Das Eingravierte) und das Horoskop die individuellen, an der Oberfläche liegenden Anteile der Persönlichkeit (Persona = Die Maske).

Diese beiden Methoden der Selbsterkenntnis können sich deshalb ideal ergänzen. Aus diesem Grund verwende ich bei tiefergehenden astrologisch - psychologischen Beratungen zusätzlich Erkenntnisse und Elemente des Enneagramms.
Sowohl den einzigartigen und besonderen Persönlichkeitsanteilen wie auch dem "typischen" (unbewussten) Verhalten des Menschen kann so in einer Beratung Rechnung getragen werden.
Anmerkung: Das ursprüngliche Enneagramm stammt von dem spirituellen Lehrer des "vierten Weges" G. I. Gurdjieff (ca 1877 - 1949). Dieses Symbol beschreibt u.a. die inneren Prozessabläufe und Transformationsschritte des Menschen. Es wurde erstmals ca 1916 durch Gurdjieffs Schüler P. D. Ouspensky ("Auf der Suche nach dem Wunderbaren") bekannt.
(Nähere Informationen dazu z.B. unter www.gurdjieff.org)
Das Enneagramm als die heute weit verbreitete und bekannte Typenlehre wurde dagegen vom Gründer der "Arica Schule" Oscar Ichazo (geb. 1931) in den sechziger und siebziger Jahren entwickelt und in erster Linie von seinem Schüler, dem Psychiater und Therapeuten Claudio Naranjo in die Öffentlichkeit gebracht.
Gute Einführungen in dieses Thema sind für Einsteiger die Bücher und Seminare von Helen Palmer und Don Riso; die christliche Sichtweise beleuchten u.a. Richard Rohr und Andreas Ebert, und weiterführend sind die Enneagrammlehrer und Autoren Eli Jaxon Bear, Sandra Maitri, Claudio Naranjo sowie A. Almaas. Von Oscar Ichazo selber findet man dagegen nur wenig Literatur.